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Projektphase I

In den ostindischen Staaten Jharkhand und Westbengalen leben tausende Kleinbauern in großer Armut. Dass jedoch arme indische Bürger prinzipiell Anrechte auf staatliche Leistungen haben, wissen die wenigsten. Die meisten Familien können nur sechs bis neun Monate im Jahr ihren Nahrungsmittelbedarf für eine ausgewogene Ernährung selbst erwirtschaften. Viele Bauern müssen als Arbeitsmigranten ihre Familie verlassen und gehen für Lohnarbeit in die Städte.

 

Hoffnung auf ein besseres Leben

Hoffnung auf ein besseres Leben

Doch nun keimt eine Hoffnung bei den Kleinbauern auf: Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützt die Welthungerhilfe Kleinstbetriebe bei der Einführung Nachhaltiger Integrierter Landwirtschaftliche Betriebssysteme (SIFS).

Dieses System orientiert sich am natürlichen Kreislauf und setzt den Anbau von Feldfrüchten, Gartenbau und Tierzucht in eine  ganzheitliche Beziehung. Das Ziel ist es, Produktionsrisiken zu reduzieren und auf diese Weise die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen, die Produktivität zu steigern und die Ernährungs- und Gesundheitssituation der Menschen langfristig zu verbessern.

 

Nachhaltige Landwirtschaft lernen

Nachhaltige Landwirtschaft lernen

Doch Veränderungen geschehen nicht von heute auf morgen, und Veränderungen müssen erprobt werden. Die Welthungerhilfe lud zu Workshops ein und erläuterte den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ressourcenschutz und Ernährungssicherheit. Gemeinsam identifizierten die Landwirte ihre spezifischen Probleme, entwickelten individuelle Bedarfspläne und gründeten insgesamt 235 Bauerngruppen.

In den sogenannten Farmer Field Schools lernten die Bauern die Vorteile von ressourcenschonenden Anbaumethoden und Biodiversität kennen. Die Schulen begleiten die Bauern mindestens über einen kompletten Anbauzyklus, denn so lernen sie die Prinzipien der nachhaltigen Landwirtschaft nicht nur theoretisch, sondern können diese auch direkt auf ihren Feldern erproben und die Wirkung gemeinsam reflektieren.

 

Diversifizierung und Ganzheitlichkeit

Diversifizierung und Ganzheitlichkeit

Die Bauern, die an den Projektmaßnahmen teilnehmen, pflanzen nun verschiedene Getreide- und Gemüsesorten an und nutzen zum Beispiel anstelle chemischer Pestizide Tierdung als natürliches Düngemittel, denn dieser ist erheblich kostengünstiger als die industriell gefertigten Produkte.

Gemeinsam errichteten die Bauern neue Bewässerungssysteme zur Sammlung von Regenwasser, um unabhängiger von klimatischen Bedingungen zu sein, zudem wurden Dämme und Terrassierungen angelegt. Alleine durch die Speicherungvon Grundwasser sparten die Bauern rund 40.000 Euro ein.

 

Höhere Ernteerträge

Höhere Ernteerträge

Mit den nachhaltigen Anbaumethoden erzielen die Bauern heute deutlich bessere Ernten. Dies überzeugte auch die anfangs skeptischen Kleinbauern wie Kedar Sing. In der Bauern-Kooperative lernte er die Methoden der nachhaltigen Landwirtschaft kennen und schätzen.

Heute ist er besser gegen unerwartete Wetterextreme gewappnet, kann mit seinen Produkten die Familie sicher ernähren, seine Tiere auf der Farm füttern und trotzdem einige Überschüsse verkaufen. „Ich habe mit den neuen Methoden auf weniger Land einen höheren Ertrag erzielt als zuvor auf einer größeren Fläche“, sagt Kedar Sing zufrieden.

 

Gesunde Küche für die ganze Familie

Gesunde Küche für die ganze Familie

Auch für die Frauen der Kleinbauern wurden von den Partnern der Welthungerhilfe Workshops angeboten, um die Ernährungssituation der Familien zu verbessern. Sie setzten sich intensiv mit den vielfältigen Produkten auseinander und erfuhren mehr über deren unterschiedliche Nährstoffe.

Gemeinsam lernten sie, Gemüse, Kräuter und Früchte schonend zuzubereiten, Vitamine zu erhalten und auch Küchengärten wurden angelegt, um die Nahrungsmittelvielfalt der Familien zu erweitern.

 

Bessere Wertschöpfung

Bessere Wertschöpfung

Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und Diversifizierung reicht jedoch nicht aus, um die Ernährung der Menschen langfristig zu sichern, denn gerade arme Bauern sind gezwungen, nach der Ernte ihre Produkte zu Niedrigstpreisen zu verkaufen.

Die lokalen Partner der Welthungerhilfe unterstützen deshalb die Bauern dabei, die Wertschöpfungskette und die Vermarktung von der nachhaltigen Produktion über die Lagerung bis zum Verkauf langfristig zu verbessern und auch Kontakt zu Dienstleistungsanbietern, Behörden und Kreditgebern aufzunehmen.

Um auf regionalen Märkten nun gute Preise erzielen zu können, haben zahlreiche Bauern Komitees und Kooperativen gebildet. Diese legen vielerorts Baumschulen an, verwalten Saatgutbanken und organisieren gemeinschaftlich genutzte Gerätschaften.

 

Selbstbewusst in die Zukunft

Selbstbewusst in die Zukunft

Die sichtbaren Erfolge durch die neuen Produktionsmethoden und die positiven Erfahrungen in der Gemeinschaft stärken die einzelnen Bauern und ihre Familien: „Die Ideen der nachhaltigen Landwirtschaft haben mich und meine Arbeit sehr verändert. Ich weiß nun, dass ich mit diesem neuen Wissen in den nächsten Jahren ein unabhängiger Bauer werden kann“, beschreibt Kleinbauer Govind Marandi.

Einen besseren Ansporn für die künftige Arbeit in der Region kann es nicht geben - deshalb werden die Aktivitäten rund um nachhaltige Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Ernährungssicherheit auch 2015 engagiert weitergeführt.