Bücher und mehr bei
In Partnerschaft mit amazon
Klicken Sie für eine vergrößerte Ansicht12 Bild(er)
 

20-Jahre-Super-S Interview mit dem Erfinder

Friedrich Oberheide

Im Jahr 2014 feiert das Super-S-Gestänge seinen 20. Geburtstag. Viele tausend Spritzgestänge sind seit der ersten Auslieferung im Jahr 1994 in den praktischen Einsatz gegangen. Von damals bis heute wurden zahlreiche Details weiterentwickelt, aber die Genialität der Grundkonstruktion ist immer noch jung und bis heute unerreicht.

Warum das Super-S-Gestänge heute wie damals mit genialen Eigenschaften aufwarten kann, erfahren Sie in einem Interview mit seinem Konstrukteur Dipl.-Ing. Friedrich Oberheide.

Herr Oberheide, welche Besonderheiten haben das Super-S-Gestänge so erfolgreich gemacht?
Friedrich Oberheide: Zwei Punkte möchte ich an erster Stelle nennen. Das ist zum einen die Hochklapptechnik, die eine besonders schmale Transportbreite von nur 2,4 m erlaubt. Zum anderen ist das Super-S-Gestänge leichter als andere Gestänge und trotzdem sehr stabil gebaut. Diese Vorteile waren zum damaligen Zeitpunkt für uns nicht neu, denn wir hatten sie bereits mit dem Vorgängergestänge, dem sogenannten H-Gestänge, umgesetzt. Beim Super-S-Gestänge konnten aber dann erstmals alle Segmente über Hydraulikzylinder an den Gelenken geklappt werden. Heute ist eine solche Klappung für uns selbstverständlich, aber vor zwanzig Jahren war das eben die entscheidende Verbesserung.

Die Hochklapptechnik gab es also auch schon vor dem Super-S-Gestänge?
Friedrich Oberheide: Ja, das erste Hochklappgestänge für Pflanzenschutzspritzen hat AMAZONE schon 1980 entwickelt und in kleinen Stückzahlen gebaut. Dieses Gestänge war bereits 18 m breit, musste aber noch von Hand geklappt werden. Dann kam zunehmend der Wunsch nach einem hydraulisch klappbaren Gestänge auf, damit die Fahrer nicht mehr vom Schlepper absteigen müssen.

War AMAZONE mit diesem Gestänge der erste Hersteller, der auf die Hochklapptechnik bei Pflanzenschutzspritzen gesetzt hat?
Friedrich Oberheide: Ja, in der Tat, diese Technik haben wir hier bei AMAZONE entwickelt.

Und wie sah das erste hydraulisch klappbare Gestänge aus?
Friedrich Oberheide: Ab 1986 haben wir das sogenannte H-Gestänge zunächst bis 16 m und später bis 21 m Arbeitsbreite gebaut. Dieses Gestänge war schon in Leichtbauweise konstruiert worden, aber nur mit zwei großen Hydraulikzylindern zum Ausklappen und zum Einklappen ausgerüstet. Diese Zylinder dienten als Hebel für V4A-Seile, die über unterschiedlich große Umlenkrollen an den einzelnen Gestängesegmenten geführt wurden. Die Bedienung dieses Gestänges war sehr einfach. Denn man konnte es über ein einziges doppeltwirkendes Steuergerät am Schlepper gleichzeitig links und rechts klappen und reduzieren. Dies funktionierte sehr gut, hatte aber noch den entscheidenden Nachteil, dass weder eine einseitige Klappung noch eine definierte Reduzierung möglich waren.

Wie haben sie dieses Problem der Klappung gelöst?
Friedrich Oberheide: Das komfortable Handling – auch mit größeren Arbeitsbreiten – wurde ab 1994 mit dem Super-S-Gestänge möglich, das wir heute bis zu 28 m Arbeitsbreite anbieten. Mit dem Super-S-Gestänge haben wir erstmals jedes einzelne Segment über jeweils einen Hydraulikzylinder geklappt. Dabei konnten wir auf besonders leichte und stabile Zylinder aus der eigenen AMAZONE Zylinderfertigung zurückgreifen. Aus Gewichtsgründen war und ist das ein enormer Vorteil. Dank dieser zuverlässigen Hydraulikzylinder wurde die Klapptechnik nun um ein Vielfaches flexibler und vor allem ausbaufähig. Mit der Klappung über kräftige Hydraulikzylinder konnten wir das Programm von 21 m auf bis zu 28 m ausbauen. „Flexible Klapptechnik“ bedeutet, dass es, in Kombination mit unserer Profi-Klappung 1, jeweils einen Steuerkreis für die linke und die rechte Gestängehälfte, für die Höhenverstellung, die Gestängeverriegelung und die Neigungsverstellung gibt. Mit der Profi-Klappung 2 kommt die Anwinkelung dazu. So hat die Einführung des Super-S-Gestänges zu einem beachtlichen Komfortsprung und damit auch zu einer rasant steigenden Nachfrage nach AMAZONE Anbau- und Anhängespritzen geführt.

Noch einmal zurück zur Hochklapptechnik des Super-S-Gestänges: Wo liegen die grundsätzlichen Vorzüge?
Friedrich Oberheide: Der entscheidende Vorteil lässt sich in einem einfachen Satz zusammenfassen: „Wo Sie mit dem Traktor durchpassen, da passt auch das Super-S-Gestänge durch.“ Durch die senkrechte Klappung hinter der Spritze hat das Super-S-Gestänge eine Transportbreite von nur 2,4 m. Das ist ein sehr wichtiges Kriterium für die Sicherheit im Straßenverkehr. So lassen sich Kollisionen mit dem Gestänge verhindern. Zugleich verbessert die leichte Neigung des Gestänges nach vorne die Schwerpunktlage. Vor allem bei Anbauspritzen ist ja jedes kg Gewicht, das eingespart wird, sehr wertvoll. Außerdem sitzt das Gestänge beim Straßentransport absolut fest in den Transporthaken. So verhindern wir Klappern und Verschleiß bei schneller Straßenfahrt oder beim Durchfahren von Schlaglöchern. Weil das Gestänge hinter der Spritze zusammengeklappt wird, tropft außerdem auch keinerlei Spritzbrühe auf den Traktor oder auf das Bedienzentrum an der Spritze wie bei anderen Gestängeklappungen.

AMAZONE war übrigens nicht nur der erste, sondern lange Zeit auch der einzige Anbieter, der auf die Hochklapptechnik gesetzt hatte. Das Gleiche gilt für die Leichtbauweise, die wir schon mit dem H-Gestänge eingeführt hatten. Zwar wurden wir dafür in den ersten Jahren von unseren Wettbewerbern noch belächelt, doch der Erfolg gab uns Recht. Inzwischen haben auch unsere Mitbewerber Spritzgestänge mit Hochklapptechnik im Programm.

Mit Leichtbauweise sprechen Sie den AMAZONE Slogan „Superstabil und superleicht an“. Worauf kommt es an, um ein Stahlgestänge so leicht wie möglich und trotzdem stabil zu bauen?
Friedrich Oberheide: Es ist die sogenannte Profilbauweise, bei der wir mit dünnen, dafür aber breiteren Blechprofilen arbeiten. Das spart Gewicht. Durch die Kantung dieser Bleche zu einem C-Profil erreichen wir die enorme Stabilität. Stellen Sie sich vor: Sie knicken ein Blatt Papier zu einem Papierflieger, dieser ist leicht und trotzdem stabil. Darum spricht unsere Marketingabteilung bei dieser Konstruktion auch von der sogenannten Flugzeugbauweise.

Weiteres Gewicht sparen wir außerdem dadurch ein, dass wir aus der breiten Mitte der Profile Löcher herausstanzen. Diese C-Profile konnten von Anfang an im AMAZONEN-WERK gefertigt werden, denn wir waren schon damals im Bereich der Düngerstreuerfertigung mit Stanz-Nibbel-Maschinen und Abkantpressen ausgestattet. Heute werden die Aussparungen in den Profilen allerdings nicht mehr gestanzt, sondern gelasert.

Besteht denn nicht die Gefahr, dass sich Dreck oder Flüssigkeiten in den Kanten der Profile ablagern?
Friedrich Oberheide: Das ist kein Problem, denn erstens kann die Flüssigkeit beim Hochklappen wieder aus dem Gestänge herauslaufen, und zweitens haben unsere Gestänge eine sehr hochwertige Einbrennlackierung, die einen eventuellen Schmutzbelag verträgt. Zum Schutz vor Korrosion verwenden wir außerdem für sämtliche Hydraulikverschraubungen V2A-Stähle. Das ist bis heute ein absolutes Qualitätskriterium für ein gutes Gestänge.

Gab es weitere Neuerungen, die Sie mit dem Super-S-Gestänge entwickelt haben?
Friedrich Oberheide: Ja, wir haben auch die zentrale Pendelaufhängung des Super-S-Gestänges neu entwickelt. Denn für eine sachgemäße Ausbringung der Pflanzenschutzmittel ist es ja von entscheidender Bedeutung, wie gleichmäßig das Gestänge über den Bestand geführt wird. Hier sind vor allem sowohl vertikale wie auch horizontale Schwingungen zu vermeiden z.B., wenn der Schlepper anfährt, bremst oder durch eine Kurve fährt. Wir haben deshalb eine Dreifach-Stoßdämpfung entwickelt. Sie besteht zum einen aus Zugfedern, die die senkrechte Stoßdämpfung der gesamten Gestängeaufhängung übernehmen. Zum anderen aus Federdämpfungselementen mit einer Kugelaufhängung, die für die Dämpfung der horizontalen Bewegungen sorgen. Die Dämpfung der vertikalen Pendelbewegungen übernimmt ein weiteres kombiniertes Feder- und Stoßdämpferpaket.

Mit Hilfe dieses Federpaketes und dank eines kurzen Pendels gelingt es, dass das Gestänge bei Schräglagen am Hang annähernd parallel zum Grundrahmen der Feldspritze nachgezogen wird. Mit anderen Worten: Schlaglöcher und Bodenunebenheiten kommen nicht im Gestänge an. Selbst wenn in leichter Schräglage gearbeitet wird, ziehen die Federn das Gestänge ebenfalls in diese zum Grundrahmen parallele Position. Mit dieser Lösung sind wir sowohl in der Ebene als auch in Hanglagen gut aufgestellt.

Beim Thema Stabilität kommt auch der konische Gelenkbolzen von AMAZONE ins Spiel. Was hat es damit auf sich?
Friedrich Oberheide: Ja, das war eine weitere technische Neuerung, die wir mit dem Super-S-Gestänge eingeführt haben. Ein Qualitätskriterium für unsere Maschinen ist natürlich auch die Lebensdauer einzelner Elemente. So sollten beispielsweise die Gelenke zwischen den einzelnen Gestängesegmenten auch nach jahrelanger Nutzung der Feldspritze noch nicht ausgeschlagen sein. Die übliche Verwendung zylindrischer Bolzen mit geringem Spiel führt hier in der Regel nicht zum Ziel. Bei unseren konischen und gehärteten Kegelbolzen ist es jedoch so, dass diese immer ganz genau und spielfrei auf die jeweilige Bohrung passen, ohne auszuleiern, und ohne, dass sie geschmiert werden müssen. Damit sichern wir unseren Kunden auch nach Jahren noch eine optimale Gestängefunktion.

Hat es im Laufe der letzten 20 Jahre Weiterentwicklungen des Super-S-Gestänges gegeben? Was hat sich seither verändert?
Friedrich Oberheide: An der grundsätzlichen Gestängephilosophie haben wir nichts geändert, aber mit Blick auf wachsende Kundenanforderungen haben wir natürlich viele Details weiterentwickelt. So haben wir beispielsweise im Laufe der Zeit die Zylinderkräfte weiter erhöht, um auch mit größeren Arbeitsbreiten in Hanglagen arbeiten zu können. Es ist heute kein Problem, mit einem Super-S-Gestänge auch in Hängen zu arbeiten, in denen man früher nur mit einem 15 m-Gestänge zurechtkam. Unsere Kunden erwarten heute, dass sie das Gestänge auch dann ein- und ausklappen können, wenn die Maschine 15° schief am Berg steht.

Das AMAZONE Spritzenprogramm bietet neben dem Super-S-Gestänge auch ein Q-Plus- und ein Super-L-Gestänge an. Wie lassen sich diese drei voneinander abgrenzen?
Friedrich Oberheide: AMAZONE bietet das Super-S-Gestänge, das den Arbeitsbreitenbereich von 15 m bis 28 m umfasst, sowohl für die UF-Anbauspritzen als auch für die UG- und die UX-Anhängespritzen an. Eine preisgünstigere Alternative für den Einsatz an einer UF-Anbauspritze ist das Q-Plus-Gestänge mit Arbeitsbreiten von 12 m bis 15 m. Dieses Gestänge hat eine Querklappung und erreicht deshalb eine Transportbreite von 3 m. Das Super-L-Gestänge mit Arbeitsbreiten von 24 m bis 40 m bieten wir speziell für die UX-Anhängespritzen und den Selbstfahrer Pantera an. Bei diesem Gestänge werden die Gestängesegmente, die deutlich länger sind als beim Super-S-Gestänge, seitlich neben dem Spritzbehälter eingeklappt, so dass wir auch hier eine minimale Transportbreite sicherstellen können. Das sind die Unterschiede. Das Q-Plus- und das Super-L-Gestänge passen aufgrund ihrer Profilbauweise und ihrer konischen Bolzen ebenfalls perfekt zu unserer Gestängephilosophie, denn sie sind grundsätzlich genauso leicht und stabil gebaut wie das Super-S-Gestänge.

 

VIDEO: Amazone Feldspritze UF mit Super-S-Gestänge

Get Adobe Flash player