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Ackerbaustrategien zur Bekämpfung von Ungräsern

Prof. Dr. Berthold Ilgen, Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden Fakultät Lanbau/Landespflege

Laden Sie sich hier die Präsentation zum Vortrag als pdf-Datei.

Durch die Zunahme der Mulchsaat nimmt auch die Ausbreitung von Ungräsern zu. Ackerfuchsschwanz ist nicht mehr nur auf schwere Böden in seiner Verbreitung beschränkt, sondern tritt zunehmend auch auf mittleren und leichten Böden auf. Darüber hinaus sind weitere Arten wie Windhalm, Taube Trespe und Roggentrespe zunehmend. Die chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten sind vor allem in den Getreidearten nicht zuletzt durch das Auftreten von Resistenzen und durch Einschränkungen bei der Wirkstoffverfügbarkeit begrenzt. Besonders in Raps, aber auch in anderen Blattfrüchten bieten sich daher sehr gute Möglichkeiten schwer bekämpfbare Arten aus-zuschalten.

Zunächst zu den botanischen Eigenschaften der Ungräser: Das Samenpotential bei Ackerfuchsschwanz beläuft sich auf bis zu 6.000 Samen/Pflanze. In Abhängigkeit von der Saatzeit können bei Frühsaaten bis zu mehrere hundert Pflanzen/m2 auflaufen. Für die Keimung ist ein kurzer Lichtreiz, moderate Bodenfeuchte und eine mäßige Sauerstoffzufuhr erforderlich, die Temperaturansprüche an die Keimung sind generell nur gering. Bei Windhalm liegt das Samenpotential zwischen 600-12000 Samen pro Pflanze, bei Flughafer zwischen 50-1000 Samen.
Wie kann man ackerbaulich reagieren, damit die Ungräser nicht ihr gesamtes Verbreitungspotential entfalten können?

Zunächst kann durch eine angepasste Fruchtfolge reagiert werden. Betrachtet man die Erlöse verschiedener Fruchtfolgen, ist ein mittlerer Erlös unter Berücksichtigung der Bodenbearbeitungstage von 527€/Jahr bei einer Raps-Winterweizen-Wintergerste Fruchtfolge und von 470€ bei Raps-Winterweizen-Winterweizen erzielbar. Vergleichsweise schlecht schneiden Fruchtfolgen mit hohem Winterweizenanteil ab (414€) (Ra-WW-WW-WW), hier treten enorme Kosten für die Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes auf. Interessant für die Gräserbekämpfung sind Ra-WW-SM-WW oder Ra-WW-Ha-WW sowie Ra-WW-AB-WW. In solcherart strukturierten Fruchtfolgen können erhebliche Zeitspannen für die mechanische und die chemische Bekämpfung von Gräsern generell und auch Ackerfuschsschwanz im speziellen genutzt werden, so dass dadurch der Gräserdruck erheblich reduziert werden kann. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass bei hohem Wintergetreideanteil in der Fruchtfolge sowohl die Herbizid- als auch die Arbeitserledigungskosten zwangsläufig steigen.

Neben Maßnahmen der Fruchtfolgegestaltung sollen im Folgenden Empfehlungen für die Bodenbearbeitung aufgeführt werden. Für das Keimverhalten der Gräser und die darauf abgestimmte Bodenbearbeitung ist es von Bedeutung, sich mit der primären und sekundären Keimruhe der Gräser zu beschäftigen. Die primäre Keimruhe bei Ackerfuchsschwanz beträgt ca. 6-8 Wochen. Eine ausgeprägte Keimruhe tritt auf, wenn während der Blüte und Abreife kühle, feuchte Bedingungen herrschen, während warme und trockene Witterungen zu einer nur kurz ausgeprägten primären Keimruhe führen. Die Samen können bei suboptimalen Bedingungen in eine sehr ausgeprägte sekundäre Keimruhe übergehen, die teilweise mehrere Jahre anhalten kann. Diese tritt dann besonders leicht auf, wenn die Samen unter nassen, sauerstoffarmen Bedingungen „eingemauert“ werden, d.h., wenn sie zu tief eingearbeitet werden (3- 5 cm).

Welche Schlussfolgerungen kann man nun für die Bodenbearbeitung ableiten?
Grundsätzlich sind bei geringer Ausprägung der Keimruhe eher flache, mischende Bearbeitungsverfahren mit ausreichender Rückverfestigung vorzuziehen, um die Keimung zu fördern. Dies gilt auch, wenn ungünstige Bedingungen für den Ackerfuchsschwanz während der Blüte und Abreife herrschten. Unter diesen Bedingungen ist die Keimruhe zwar ausgeprägter, bei ausreichend langer Wartezeit kann jedoch die Keimung einsetzen und damit ein großer Teil der Samen auflaufen, jedoch nur dann, wenn keine zu tiefe Bodenbearbeitung erfolgt oder die Samen durch eine zu tiefe Bearbeitung in die sekundäre Keimruhe übergehen.

Zusätzlich zur mechanischen Bodenbearbeitung und der Fruchtfolge ist die Auswahl der richtigen Herbizide und Wirkstoffe unter Berücksichtigung des Resistenzmanagements von großer Bedeutung. Bezogen auf die Wirkstoffe ist die Einstufung der Wirkstoffe in die jeweiligen Resistenzklassen zu berücksichtigen. Besonders bei den Gräserwirkstoffen ist bei dem Auftreten von resistenten Biotypen die Wirkstoffwahl entscheidend für den Bekämpfungserfolg. Die jeweiligen Wirkstoffgruppen sind hierbei unterschiedlich zu bewerten. Sogenannte ACC-ase Hemmer haben im Allgemeinen ein hohes Resistenzrisiko, die Photosynthese-Hemmer sind als mittel einzustufen, bei den PPO-Hemmern sind wenig Wirkstoffe vorhanden, eine Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz speziell ist nicht gegeben.

Vorzuziehen beim Resistenzmanagement sind daher Wirkstoffe aus den weniger resistenzgefährdeten Wirkstoffgruppen oder Kombinationen aus diesen Wirkstoffgruppen, wo dies möglich ist. Dies wären zum Beispiel die HPPD-Hemmer, ESPS-Hemmer und Wirkstoffe aus der K und N-Gruppe. Das Risiko einer Resistenzausbildung ist hier sehr gering.

Um nachhaltig Ackerhygiene erfolgreich zu betreiben und das Resistenzrisiko zu verringern, ist eine Kombination aus alternierenden und erweiterten Fruchtfolgen mit Integration von Sommerkulturen, angepassten Bodenbearbeitungsmaßnahmen sowie Wirkstoffwechsel und Wirkstoffkombinationen bei den Herbiziden nötig.